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Besuch
eröffnet Horizonte –
Ein Pastoralbesuch
im Bistum Rotterdam
Am 10. März 2009 besuchten Pater Andreas Krahnen und Mitglieder des
Sozialpastoralteams des
Jugend-Klosters Kirchhellen zwei pastorale Projekte des Bistums
Rotterdam. Das Projekt Stadtteilpastoral „Het Oude Noorden“ ist ein
Streetworkprojekt in der Innenstadt Rotterdams. Das Projekt „Tso’ar“
ist ein Projekt an der Grenze zwischen Kunst und Religion. Initiiert
hatte Pater Krahnen diesen Besuch mit Dick Verbakel, dem Generalvikar
der Diözese Rotterdam.
Stadtteilpastoral „Het Oude Noorden“ in Rotterdam
„Es sieht hier ein bisschen aus wie in einer orientalischen Stadt.”
„Ja, früher war der Eindruck noch stärker. Nachdem die Einführung der
Container die Hafenarbeiter überflüssig gemacht hatte, blieb hier nur
die unterste Schicht, Arbeitslose und andere Menschen, die sich
bessere Wohnviertel nicht leisten konnten, zurück. Die Stadt siedelte
dann Marokkan
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Bärbel Goedeking erklärt die Lage
des Projektes im Zentrum von
Rotterdam |
er an, sowie in anderen Stadtteilen Türken und andere Nationalitäten.
Heute leben im Stadtteil ‚Het Oude Noorden’ in Rotterdam über 100
Nationalitäten – aber kaum Niederländer.“
So charakterisiert Frau Bärbel Goedeking, Pastorin der evangelischen
Kirche „Den Alten Norden“, einem Stadtteil unweit der Innenstadt von
Rotterdam. Ihr pastoraler Partner Paul Bergmans nickt. Er arbeitet von
Seiten der katholischen Kirche im Projekt „Wijkpastoraat Het Oude
Noorden“ mit. Seit 25 Jahren ist es ein ökumenisches Projekt.
Pater Krahnen hatte diesen Besuch angeregt. Er hatte Dick Verbakel,
Generalvikar des Bistums Rotterdam, bei einem Besuch im
Redemptoristenkloster in Roermond gefragt, welche Projekte in seinem
Bistum für die Zukunft unserer Kirche stehen. Für den Besuch am 10.
März 2009 hatte Pater Krahnen zwei Projekte ausgesucht. Dick Verbakel
steht den Redemptoristen nahe. Er studierte in deren damaligen
Studentat in Heerlen Theologie. Pater
Gé Janssens
war sein Studentenseelsorger.
Mit dabei war auch das Sozialpastoralteam aus dem
Jugend-Kloster
Kirchhellen mit Pater Winfried Pauly, Stefanie Ladwig, Herrn Heinz
Köpp und Frater Paulus Sati.
Frau Bärbel Goedeking, Seelsorgerin aus dem deutschen Viersen,
erläuterte wie es vor 25 Jahren zu diesem Projekt kam. Die Leute, die
zur sonntätlichen Liturgie kamen, waren nicht die, die im Stadtteil
wohnten. Sie kamen wegen der ansprechenden Liturgie aus der weiteren
Umgebung. Die Menschen aus der Nachbarschaft waren ohnehin kaum
Christen. Es stellte sich heraus, dass sie ganz andere Probleme
hatten. So brannten oft Wohnungen aus und so entstand ein Lager und
ein Verkauf für Second Hand Möbel und eine Kleiderkammer sowie ein
kleiner Laden für Güter des täglichen Bedarfs. Hier sowie in dem
kleinen Café des Projekts besteht darüber hinaus Möglichkeit mit
anderen über Probleme des alltäglichen Lebens zu sprechen. Ein
Netzwerk für Menschen in Not ist entstanden.
Das gilt auch für die Kinderarbeit. Oft sind es allein erziehende
Frauen, die in der Prostitution arbeiten, deren Kinder im Sommerlager
eine Gemeinschaft erleben, die sie zu Hause vermissen. Dazu dienen
auch der Mädchen- und der wöchentliche Jungenclub.
An einigen Stellen wird bewusst und ausdrücklich christlich gearbeitet
an anderen Stellen nicht. „Hier gilt es die Menschenwürde der Leute zu
erkämpfen“, erläutert Paul Bergmans. Darum arbeiten die beiden
christlichen Konfessionen mit islamischen Institutionen zusammen, um
für alle ein Zusammenleben im „Alten Norden Rotterdams“ zu schaffen.
Tso’ar (www.tsoar.nl)
Nach einem ausgezeichneten Mittagessen im Generalvikariat in Rotterdam
ging es zum Projekt „Tso’ar“ nach Leidschendam. „Tso’ar“ (deutsche
Schreibweise: Zoar) spielt auf Gen 19,22 an. Lot flieht nach der
Zerstörung von Sodom und Gomorra in die Berge. Der Ort heißt „Tso’ar“,
d.h. klein. „Klein“ spielt darauf an, dass der Ort zu klein für eine
permanente Besiedelung ist. Lot musste weiter nach geeignetem Land
suchen.
Die Menschen, die zum Projekt „Tso’ar“ kommen, sollen für eine kleine
Weile Schutz und Anregung finden und dann zurück in ihr alltägliches
Leben gehen, gestärkt mit dem, was sie dort gesehen und erlebt haben.
Nach dem Zusammenschluss der Pfarrgemeinden in Leidschendam blieb eine
Kirche übrig. Man entschloss sich zu einem neuen Konzept. Marlies
Roelofs, leitende Mitarbeiterin, erläuterte das Projekt: Menschen, die
zu einem solchen Projekt auf der Grenze zwischen Kunstausstellung und
Religion kommen, sind „Sucher“. Viele von ihnen sind kirchlich nicht
engagiert. Sie suchen Sinn und Bedeutung in ihrem Leben. In
Auseinandersetzung mit der Kunst in einem sakralen Raum erlebt der
Besucher etwas anderes als in einer Galerie. Der Besucher kommt mit
tieferen Fragen seiner Existenz in Kontakt.
Aus dem Erleben dieser Zielgruppe ergeben sich auch die Programme und
Angebote des Projekts, z.B. Foods for Thoughts – gedacht für Menschen
auf der Suche nach einer Spiritualität in ihrer (beruflichen) Arbeit.
Von da aus wird dann auch die Verbindung zur Tradition gesucht.
Es verwundert auch nicht, dass Versuche ein liturgisches Programm
aufzubauen, weitgehend erfolglos waren. Die Menschen, die nach „Tso’ar”
kommen, sind nicht liturgisch – kirchlich interessiert. Es gibt eine
Ausnahme: Mit Vorliebe wird die „Kirche“ angefragt für Beerdigungen.
Es gibt mittlerweile einen eigenen Zweig für diese Arbeit. Auch im
säkularisierten Holland unserer Tage wird der Tod als Einbruch im
Leben erfahren, so dass man nach einem „heiligen“ und ansprechenden
Raum sucht.
Träger des Projekts ist die katholische Pfarrei. Sie öffnete sich
damit deutlich nach außen hin. Sie nimmt dabei auch eine gewisse
Spannung in Kauf. Den „Erfolg“ von Sonntagsmessen kann man durch die
Zählung von Kirchenbesuchern feststellen (obwohl auch das zunehmend
fragwürdig erscheint), aber wie misst man den „Erfolg“ eines
Projektes, das an der engen Grenze zwischen Kunst und Religion
angesiedelt ist?
Ein Gedanke bei dem Thema „Erfolg“ drängte sich beim Durchwandern des
labyrinthartigen Kirchenraums auf: Menschen für sich selbst, die
Fragen nach der eigenen Existenz und nach Gott versuchen zu
interessieren, nannte man früher Mission. Aber eine Einordnung dieses
Projektes will nicht so recht gelingen.
Dank
Wir bedanken uns herzlich bei Generalvikar Dick Verbakel für die
Eindrücke dieses Tages. Natürlich stellen sie nur eine Momentaufnahme
der niederländischen Kirche dar. Aber der Blick richtet sich für einen
Moment in die Zukunft und das können wir in unserer Kirche gebrauchen.
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