Schöpferisch mit Hammer und Meißel
Morgens um zehn in der Hauptstraße: Ein Hahn
kräht vom Nachbarhof deutlich hörbar zu dem Gelände des
Jugend-Klosters herüber. Die fast schon ländliche Idylle
wird durch ein lautes Gesurre und Gehacke jäh gestört.
Noch bis zum Sonntag ist das Jugend-Kloster zu einem
Kultur-Camp umfunktioniert und steht Kindern und
Jugendlichen offen, die sich schöpferisch betätigen wollen -
zum Beispiel mit einem Hammer und Meißel einen Steinblock
bearbeitend.
Inspiriert sei das Camp vom Kulturhauptstadtjahr 2010,
sagt Kai Kaczikowski, der Jugendpastoralleiter. „Wir haben
Künstler eingeladen, die einzelne Workshops mit den
Schülern, die aus der gesamten Region kommen, durchführen“,
erklärt der Religionspädagoge. Die meisten der teilnehmenden
Teenager seien zum ersten Mal im Kirchhellener
Jugend-Kloster.
Jeweils eineinhalb Tage lang arbeiten die Jungen und
Mädchen an einer von vier möglichen Stationen, dann folgt
ein Wechsel. Bis zum Sonntag haben so alle Kultur-Camper die
Möglichkeit, sich am Bau von Skulpturen, an Straßen- und
abstrakter Malerei und an der Herstellung von
Keramikplastiken auszuprobieren. Bernadine Litzenburg, Pater
Jan Haen, Marion Ruthardt und Guido Hofmann heißen die vier
Künstler, die den Jugendlichen dabei professionelle
Hilfestellung geben. Zusätzlich werden auch noch
Ein-Tages-Workshops angeboten, bei denen „Streetdance“ oder
„Beatboxing“ unterrichtet wird. „Auch die Einradfahrer aus
Grafenwald haben ihr Kommen angekündigt“, freut sich Kai
Kaczikowski.
Während die Skulpturenherstellung eher an harte Arbeit
erinnert, wirkt die Malerei im Vergleich dazu, wie die reine
Erholung. Der niederländische Pater Jan Haen, steht vor
einer Leinwand und platziert mit geübter Hand feine
Pinselstriche auf seinem Werk. Unweit von ihm sitzen die
15-jährigen Kultur-Camperinnen Kerstin, Lisanne und Alina.
Hinter ihnen steht ein großer Tisch, vollgestellt mit allem,
was für das Malen benötigt werden könnte: Pinsel, Stifte,
Farbdosen, -tuben und zahlreiche Leinwände. Kerstin malt
bereits eine Strichfigur im Stil von Keith Haring auf ihre
Bildfläche. Die anderen beiden Mädchen blättern noch in
einem Buch auf der Suche nach Motiven.
„Wenn man alle Bilder zusammenlegt, ergeben sie eine
große Figur, die aus vielen verschiedenen besteht“, erklärt
Pater Jan Haen das Ziel seines Workshops. „Die einzelnen
Bilder kann natürlich auch jeder mit nach Hause nehmen. Und
wer weiß, vielleicht treffen sich ja alle Teilnehmer
irgendwann einmal wieder, bringen ihre Bilder mit und legen
sie wieder zu einem Großen zusammen,“ fügt der
niederländische Geistliche hoffnungsvoll mit einem Lächeln
hinzu.
Kirchhellen, 20.07.2010,
Matthias Adler
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