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Merry Christmas - geile Hütte
24.12.2007 / Lokales  Von Ludger Böhne

Barkenberg. Sie sind grau, nicht besonders hübsch - und gehören doch seit fünf Jahren zum Bild und Selbstverständnis von Barkenberg: Die fünf Hütten, an denen sich Jugendliche treffen, sind ein Teil der Streetwork-Arbeit von Redemptoristenpater Winfried Pauly. "Anfangs dachten alle, die Hütten stehen nicht lange", erinnert er sich im WAZ-Gespräch zum fünfjährigen Bestehen des Hüttenprojekts. Sie stehen immer noch. Und der Pater wundert sich manchmal selbst über den Erfolg: "Erstaunlich, dass überdachte Parkbänke so attraktiv sind."

Welche Bedeutung haben die Hütten?
Winfried Pauly: Für Jugendliche sind sie ein Ort, der zeigt: Ihr seid in der Öffentlichkeit gewollt. Diese bleibende Botschaft gilt auch für die Erwachsenen. Sie sind längst Orte der Begegnung, an denen sich auch Großeltern mit ihren Enkeln treffen. Vorher haben sich die Jugendlichen auf Spielplätzen oder in Hauseingängen getroffen. Da gab's nur Ärger. Ich habe dann das Projekt vorgestellt und die Jugendlichen selbst waren sehr angetan. Über mangelnde Nutzung können wir uns nicht beklagen. Die Jugendlichen würden sich noch mehr Standorte wünschen. Aber ich schaff's einfach nicht, mehr zu betreuen und Kontakt zu halten.

Ganz frei sind diese Treffpunkte also nicht?
Pauly: Einfach eine Hütte aufstellen - das geht nicht. Es ist unabdingbar, dass jemand dafür gerade steht. Ich entlasse damit aber nicht alle anderen aus der Pflicht. Bei Gesprächen mit Nachbarn heißt es oft Ihre Jugendlichen. Aber das sind unsere Jugendlichen, die des Stadtteils. Ich will nur Sprachrohr sein für ihre Interessen, sozusagen Dolmetscher zwischen den Jugendlichen, Nachbarn, Stadt und Polizei.

Sind die Erfolge des Hüttenprojekts messbar?
Pauly: Ich könnte nicht belegen, dass es weniger Kriminalität gibt - aber ich denke, es ist so. Wenn mich jemand nach Ergebnissen fragt, sage ich meist, komm, dreh' mit mir eine Runde durch Barkenberg. Dabei wird dann schnell spürbar, dass die Hütten ein Stück gute Atmosphäre im Ortsteil bewirkt haben. Manchmal frage ich mich allerdings: Beschwichtige ich mit dem Projekt nicht und lenke davon ab, dass es viel mehr Angebote für Jugendliche geben müsste.

Was treibt Sie auf die Straße?
Pauly: Dort Präsenz zeigen, das mache ich liebend gern und würde ich gern mehr machen. Hier muss ich allerdings Kompromisse eingehen. Ich leite die Jugendpastorale im Jugend-Kloster Kirchhellen, seit zwei Jahren bin ich auch Superior. Das ist dann schon ein Spagat. Ich habe aber immer gesagt, die Hälfte meiner Arbeitszeit muss für Barkenberg reserviert sein. Ich versuche, dreimal die Woche da zu sein und will für die Jugendlichen selbst erlebbar bleiben. Ich gehe nach wie vor gern auf die Straße.

Über das Hüttenprojekt und ihre Streetwork-Arbeit hinaus gibt es inzwischen noch mehr Angebote . . .
Pauly: Ein Spielraum in Zusammenarbeit mit dem Bürgertreff, im Sommer kommt das Spielmobil, am Surick wurde eine Werkstatt unter ehrenamtlicher Leitung eingerichtet. Das ist schon ein sehr gutes Netzwerk. Seit Mai habe ich mit Rebecca Hasebrink außerdem eine Kollegin. Außerdem gibt es ganz viele, die mittun: Die Stadt, die Dorstener Arbeit, einige Nachbarn, die einfach mal saubermachen an den Hütten. Schließlich die Jugendlichen selbst, die Verantwortung tragen und die wissen, dass kein anonymer Besitzer hinter dem Hüttenprojekt steckt.

Der Stadtumbau hat gerade begonnen, das Gesicht von Barkenberg zu verändern . . .
Pauly: Aber ich hab' mich noch nie fragen müssen, ob es noch der richtige Ort für meine Arbeit ist. Es gibt sicher eine Umverteilung der Menschen. Aber die Probleme in den Familien sind nicht weniger geworden.

Heiligabend sind sie . . .
Pauly (lacht): . . . in Barkenberg. Das ist ein kleines Problem. Als Superior des Klosters habe ich seit fünf Jahren nicht mehr am Weihnachtsgottesdienst im Kloster teilgenommen, weil ich nach Barkenberg fahre. Ich spiele etwas Trompete und dachte immer, die Jugendlichen finden das kitschig. Aber die haben mich schon im November gefragt, ob ich wieder komme und Weihnachtslieder spiele. Im letzten Jahr hat irgendwer auf eine Hütte mit Neonfarbe einen Weihnachtsbaum gesprüht und dazu den Satz "Merry Christmas - geile Hütte".

Nachbarn haben sich beschwert, die Hütte wäre beschmiert. Aber für mich war das 'ne schöne Weihnachtskarte. Eigentlich sind diese kleinen Unterkünfte eine wunderbare Parallele zur Weihnachtsgeschichte. Da fühle ich mich auf der Straße mehr als Priester als am Altar. Weil ich zum Fest immer in Barkenberg bin - und nicht im Kreise meiner Lieben - hat mich ein Jugendlicher mal gefragt: "Hast Du keine Freunde?" Aber ich war ja bei meinen Freunden. Der Junge hat meine Predigt verstanden. )

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