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Stand vom 20.12.2005
Konzeption
Streetworkprojekt Wulfen –
Barkenberg
1. Die Redemptoristen
Die Redemptoristen sind eine
katholische Ordensgemeinschaft, die 1732 vom Hl. Alfons Maria von
Liguori in Neapel gegründet wurde und heute mit etwa 5.600
Mitgliedern weltweit tätig ist. Sie wenden sich bevorzugt
seelsorglich und gesellschaftlich vernachlässigten Menschen zu,
besonders, den Armen, Schwachen und Unterdrückten.
Die Niederlassung in
Bottrop-Kirchhellen gehört zur Provinz St. Clemens zu der ein Teil
der deutschen, die niederländischen, die schweizer und die
flämischen Redemptoristen gehören. Der bürgerlich treuhänderische
Rechtsträger ist das „Provinzialat der Redemptoristen e.V. Köln,
VR 4728“, Holsteinstr. 1, 51065 Köln.
2. Zur Entstehung des
Streetwork - Projektes
Im Zusammenhang mit der Rückbesinnung
auf die traditionelle Zielgruppe der Armen gründete die Kölner
Provinz der Redemptoristen 1991 in der Stadt Brandenburg an der
Havel eine neue Kommunität. Vier Mitbrüder sollten nach dem Willen
des Provinzkapitels durch ihren Lebens- und Arbeitsstil eine
besondere Option für sozial Benachteiligte treffen. Zu bevorzugten
Zielgruppen wurden Ausländer, Strafgefangene und Strafent-lassene,
Kranke und Sterbende, sowie jugendliche Randgruppen. Durch die
positiven Erfahrungen dieses Projektes ermutigt, suchte der Orden
nach Möglichkeiten, diese Erfahrungen für andere
Tätigkeitsbereiche fruchtbar zu machen. In Kirchhellen, einem
Schwerpunkt der Jugendpastoral der Ordensprovinz, sah die
Provinz-leitung günstige Voraussetzungen zur Weiterführung dieser
pastoralen Initiative. Deshalb wurde P. Winfried Pauly
(Diplomtheologe und Supervisor DGSv), der in Brandenburg neun
Jahre lang mit jugendlichen Randgruppen gearbeitet hatte, im
August 2000 nach Kirchhellen versetzt, um sich von dort weiter für
sozial Benachteiligte junge Menschen einzusetzen.
Die Umbenennung des Klemensklosters
2002 in Jugend-Kloster Kirchhellen ist Ausdruck einer
konzeptionellen Veränderung. Unterschiedliche Formen der
Jugendarbeit bzw. Jugendpastoral sind in eine Gesamtkonzeption
integriert. Die Gemeinschaft am Jugend-Kloster lädt in
Klosterkirche, Jugendhaus und Kloster ein und sie geht auf junge
Menschen zu. Die aufsuchende Arbeit bezieht sich auf umliegende
Schulen und auf einen sozialen Brennpunkt. Zu den Schwerpunkten
der vier Redemptoristen, die in der Jugendpastoral tätig sind
gehört die Schülerpastoral, die Sozialpastoral und die
Berufungspastoral. In all diesen Bereichen wollen sie vernetzt
arbeiten und sind intensiv auf der Suche nach verbindlichen
Kooperationspartnern. In Kirchhellen gibt es inzwischen eine enge
Kooperation mit dem Jugendförderverein Philipp Neri e.V., der
unter maßgeblicher Beteiligung von Jugend-Kloster und
Kolpingsfamilie entstand.
3. Bedarfsanalyse für
Sozialpastoral
Seit August 2000 hat P. Pauly
systematisch den Bedarf im Bereich sozial benachteiligter junger
Menschen im größeren Umfeld von Kirchhellen ermittelt. Kirchhellen
selbst kommt aufgrund seiner Sozialstruktur als Betätigungsfeld
nicht in Frage.
Nach Gesprächen mit Vertretern des
Dekanates Dorsten und der evangelischen Kirche, mit dem
Caritasverband und der Stadtverwaltung kamen drei Bereiche in die
engere Auswahl: die Innenstadt von Dorsten, Dorsten-Hervest und
Wulfen-Barkenberg. Ausschlaggebend für die Bevorzugung von
Wulfen-Barkenberg, dem größten Stadtteil von Dorsten, waren
folgende Gründe:
• Trotz in etwa
gleichbleibender Einwohnerzahlen steigt die Zahl erzieherischer
Hilfen in Wulfen an. Die hohen Fallzahlen machen nach Angaben
des Allgemeinen Sozialen Dienstes die besondere soziale Sturktur
Barkenbergs deutlich. „Die überwiegende Zahl der Menschen, die
Leistungen des Jugendamtes benötigen, sind sozial benachteiligt.
Zu den Benachteiligungen gehören häufig Arbeitslosigkeit,
geringe Einkommen, familiäre Probleme etc. Die Menge dieser
Problemlagen ist in Barkenberg vielschichtig und hoch. Verstärkt
wurde dies in 1999 dadurch, dass eine hohe Zahl leerstehender
Sozialwohnungen den Zuzug von Familien mit hohen Problemlagen
gefördert hat, die aus anderen Städten kamen. Die Tendenz hält
in 2000 an.“(aus: ASD-Team Wulfen – Jahresbericht 1999)
• Obwohl nur 17%
der Jugendlichen aus dem Amtsbereich Dorsten in
Wulfen-Barkenberg leben, müssen ca. 50% der Zuwendungen des
Jugendamtes in diesen Stadtteil fließen. Teile des Stadtteils
sind als sozialer Brennpunkt zu betrachten. Im Jugendbereich
sieht die Wulfen-Konferenz den größten Handlungsbedarf.
• Der Bereich
Dimker Allee im 1967 neu gegründeten Stadtteil Wulfen-Barkenberg
ist durch mehrgeschossigen sozialen Wohnungsbau geprägt. Dort
gibt es, wie eine von der Stadt Dorsten durchgeführte
Sozialraumanalyse bestätigt, folgende Probleme: Verwahrlosung
innerhalb und außerhalb der Wohngebäude, hoher Ausländeranteil
an der Wohnbevölkerung (72,9 %, davon 52 % Aussiedler), hohe
Gewalt- und Kriminalitätsraten, Drogenprobleme und ein hoher
Sozialhilfeanteil. Umfangreicher personeller und finanzieller
Ressourceneinsatz im Bereich der Jugend- und Sozialhilfe
erbrachte bisher kaum strukturelle Veränderungen.
•
Wulfen-Barkenberg ist erlebnisarm. Jugendliche, die nicht mobil
sind, haben äußerst wenig Alternativen für ihre
Freizeitgestaltung.
• Es gibt eine
überdurchschnittliche Zahl von Spätaussiedlern, mit erheblichen
Integrationsproblemen.
• Streetwork als
niedrigschwellige Form der Kontaktaufnahme und Arbeitsmethode
gibt es im Bereich des Jugendamtes Dorsten bisher nicht. P.
Pauly bringt eine langjährige Erfahrung in diesem Arbeitsbereich
mit und sieht gerade im Stadtteil Barkenberg Bedarf und Chancen.
• Der Bedarf an
dezentralen Treffpunkten kann nur sehr begrenzt durch die
vorhandenen Einrichtungen abgedeckt werden. Die Offene Tür der
evangelischen Kirche und die Teiloffene Tür der St. Barbara
Gemeinde sind personell dünn besetzt, sodass die Öffnungszeiten
zu gering sind und eine Kontaktaufnahme mit Jugendlichen
außerhalb der Einrichtung zeitlich kaum möglich ist.
4. Ziel und Selbstverständnis
der Jugendarbeit der Redemptoristen in der Form der Streetwork in
Wulfen-Barkenberg
Das der redemptoristischen
Jugendpastoral zugrundeliegende christliche Menschenbild ist von
folgenden Grundwerten und -rechten geprägt:
- Die allgemeine Gleichheit der
Menschen,
- der Glaube an das Gute im
Menschen,
- die Achtung vor der
unverlierbaren menschlichen Würde,
- das Recht, in Verantwortung
gegenüber sich selbst und seiner Umwelt sein Leben
selbst in die Hand nehmen zu
dürfen und somit Subjekt seiner persönlichen
Entwicklung zu sein.
Weil alle Menschen von Gott
geachtet, angenommen und geliebt sind, fühlen wir uns als Christen
verpflichtet, dies auch zu tun. Aus der Erfahrung heraus, dass das
Christentum eine wirkliche Lebenshilfe ist, bieten wir
Orientierung, Sinn und Antworthilfen für die sich stellenden
Lebensfragen an. Dies wollen wir durch unser Leben und Engagement
vermitteln: Armen und Wohlhabenden, Bedeutungslosen und
Einflussreichen, der Öffentlichkeit und Randgruppen. Bei diesem
Vermittlungsprozess verstehen wir uns als Lehrende und Lernende
zugleich.
Als Redemptoristen fühlen wir uns
in besonderer Weise verpflichtet, für all die Menschen
einzutreten, die der oben genannten Grundrechte und Grundwerte
entbehren.
Wir gehen von einer ganzheitlichen
Sicht des Menschen aus. Das heißt: Wir wollen sowohl seine
sozialen Belange, als auch seine Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen
berücksichtigen. Unsere Wertschätzung den Unterprivilegierten
unserer Gesellschaft gegenüber wollen wir durch Präsenz und
qualifiziertes Engagement zum Ausdruck bringen. Die Präsenz ist
Ausdruck der Solidarität mit ihnen, sie ermöglicht, dass wir sie
besser verstehen lernen, und dass wir mit ihnen gemeinsam neue
Perspektiven entwickeln.
Diese Ziele werden um so besser
erreicht, je mehr es gelingt, im Zusammensein mit den
Benachteiligten und in gemeinsamer Arbeit mit ihnen Hemmungen und
Ängste auf beiden Seiten abzubauen.
Unser Wirken soll geschehen in
Zusammenarbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen, gesellschaftlichen
und kirchlichen Institutionen, sowie Gruppen, Vereinen und
Verbänden vor Ort. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit sollen
sich Fachkenntnisse und Hilfsbereitschaft, hauptamtliche und
ehrenamtliche Arbeit ergänzen.
Über das unmittelbare Leben und
Arbeiten mit den sozial Benachteiligten hinaus, wollen wir unsere
Gesellschaft in Staat und Kirchen, Institutionen und Gruppen für
die sozialen Fragen sensibilisieren und sie in ihre jeweilige
Verantwortung rufen. Wir fühlen uns verpflichtet, in der
Öffentlichkeit Anwalt für die Rechte und Belange der
Benachteiligten zu sein. Wir sind darüber hinaus bemüht, in das
Wohnumfeld hineinzuwirken, um so ein gutes Miteinander aller
Bürger zu fördern.
5. Zielgruppe
Bevorzugte Zielgruppe der
Streetwork sind sozial benachteiligte, ausgegrenzte oder von
Ausgrenzung bedrohte Jugendliche im Alter von 11 bis 27 Jahren,
die ihren Lebensmittelpunkt im Stadtteil Wulfen - Barkenberg
haben. Viele von ihnen verbringen den größten Teil ihrer Freizeit
außerhalb ihrer Familie bzw. ihrer Wohnung und haben ihre
Beheimatung in Cliquen Gleichaltriger.
Die unterschiedlichen informellen
Treffpunkte sind die Orte, wo der Kontakt geknüpft und gepflegt
wird: Straßenecken, Torbögen, Einkaufspassagen, Spielplätze und
Schulhöfe, sowie teilweise auch private Wohnungen.
Die Streetwork versteht sich als
selbstloser Dienst an benachteiligten jungen Menschen. Sie setzt
bei der Nähe zu den Menschen an und ist ein örtlich begrenztes
kontinuierliches Kontaktangebot.
6. Konzeptionelle
Schwerpunkte der Streetwork
Das Streetworkprojekt Wulfen –
Barkenberg vertritt, wie der Name schon erkennen lässt, einen
sozialräumlichen Ansatz. Der Sozialraum Streetworkprojekt Wulfen –
Barkenberg ist das bevorzugte Arbeitsgebiet. Innerhalb dieses
Stadtteils wird die oben genannte Zielgruppe aufgesucht. Der
Streetworker ist Gast an den Treffpunkten der Jugendlichen und
darüber hinaus über ein Büro erreichbar.
Das Streetworkprojekt Wulfen –
Barkenberg vertritt einen cliquenorientierten Ansatz. Dies
bedeutet, dass die vorhandenen Cliquenstrukturen wahrgenommen und
berücksichtigt werden. Die Angebote zwingen Jugendliche nicht,
zwischen der Clique und dem Angebot zu entscheiden, sondern sind
Angebote für die Clique.
Über die cliquenorientierten
Angebote hinaus hat der/die Einzelne die Möglichkeit, die Hilfe
der Streetwork in Anspruch zu nehmen.
Der Streetworker sollte bestens
über die Angebote und Einrichtungen des Stadtteils informiert
sein, die für Jugendliche von Interesse sein könnten.
Ehrenamtliche MitarbeiterInnen,
PraktikantInnen und FSJ'ler ergänzen zeitweilig die Tätigkeit von
P. Pauly.
Zu den Angeboten der Streetwork
gehören:
• Spielstube
• Hüttenprojekt
• Vermittlung zu
den vorhandenen Jugendtreffs
•
Freizeitaktivitäten
• Freizeitfahrten
• Beratung und
Krisenintervention
• Seelsorge
• Hilfestellung
• Vermittlung zu
anderen Hilfeangeboten
• Stadtteilarbeit
/ Gemeinwesenarbeit
• Begleitung von
ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, PraktikantInnen, FSJ'lern
•
Öffentlichkeitsarbeit zur Verbesserung von Information und zur
Vermeidung von Ausgrenzung.
Dementsprechend ist
das Streetworkprojekt Wulfen-Barkenberg als Leistung der
Jugendhilfe anzusehen nach KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz)
- § 11
(Jugendarbeit),
- § 13
(Jugendsozialarbeit) und
- § 14
(erzieherischer Kinder- und Jugendschutz).
7. Vernetzung mit anderen
Einrichtungen
Ehrenamtliche MitarbeiterInnen,
PraktikantInnen und FSJ'ler des Jugend-Klosters Kirchhellen
ergänzen die Tätigkeit von P. Pauly.
Grundlage für eine Vernetzung im
Stadtteil Barkenberg sind Kenntnis und Kontaktpflege zu den
vorhandenen Einrichtungen. Besonders zu erwähnen sind die Offene
Tür Rottmannshof, die Teiloffene Tür Cafe Pott, der Bürgertreff,
das Gemeinschaftshaus, sowie die Schulen und Kirchen. Die
Streetwork dient u.a. auch dazu, Jugendliche an die vorhandenen
Angebote heranzuführen.
Eine Beteiligung an der
Wulfen-Konferenz zur Förderung und Koordinierung der
Stadtteilarbeit ist selbstverständlich. Als Streetworker ist es
ein besonderes Anliegen, für eine kinder- und jugendfreundliche
Wohnumfeldverbesserung einzutreten. So wurde das Projekt
„Jugendhütten“ erfolgreich initiiert. Mit Jugendhütten sind
derzeit fünf auf den Stadtteil verteilte pavillionartige
Treffpunkte für junge Menschen gemeint. Eine Initiative zur
Schaffung von Orten, wo Jugendliche spüren, dass sie gewollt sind.
8. Finanzierung
Der Redemptoristenorden stellt P.
Pauly neben der Leitung des Jugend-Klosters in Bottrop-Kirchhellen
zur Hälfte für die Streetwork in Wulfen-Barkenberg zur Verfügung.
Das Kloster ist auf eine Bezuschussung angewiesen. Für die
Finanzierung der Sach- und Personalkosten, u.a. die
Unterhaltskosten für das Kontakbüro, den Kleinbus,
Freizeitaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit etc. hat sich der
Jugendhilfeausschusse der Stadt Dorsten verpflichtet 10.000 € aus
kommunalen Mitteln zur Verfügung zu stellen. Für die weiteren
Mittel ist das Projekt auf Spenden angewiesen.
Aus fachlicher Sicht ist auf Dauer
die Errichtung einer zweiten Stelle für eine Streetworkerin
sinnvoll. Dies gilt als Mindeststandart für ein Streetworkprojekt
und würde dem tatsächlichen Bedarf entsprechen.
Das Kontaktbüro bzw. die Spielstube
wird von der LEG in der Barkenberger Allee 82 mietfrei zur
Verfügung gestellt. RWE sponsert die Stromkosten.
Das Spendenkonto lautet:
Jugend-Kloster
Stichwort „Streetwork“
Stadtsparkasse Bottrop
Ko. Nr.: 1500 18 86
BLZ: 424 512 20
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