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Märchenabend am Kamin
Die Helfer trugen noch
eifrig Stühle aus dem Jugendhaus herbei. Zum Glück waren schon einige der
Teilnehmer des am Tage darauf folgenden Kursteams anwesend, die kräftig mit
anpackten. Dabei waren die ersten Besucher schon über eine halbe Stunde
früher gekommen, um die begehrten Sitzplätze zu ergattern.
Das
Kaminzimmer des Klosters war wie immer leicht abgedunkelt und die
Feuerstelle knisterte gemütlich. Die gestaltete Mitte davor gab erste
Hinweise auf die Thematiken der Märchen des Abends. Musikalisch umrahmt
wurden die Geschichten durch die Harfe, gespielt von Fr. Ramona Schmirler,
sowie ein Gitarrenstück von P. Andreas Krahnen.
Dieser leitete dann den
Abend ein und blickte kurz vor seinem Abschied zum Jahresende mit Dank auf
die vor zehn Jahren begonnene Tradition der Märchenabende zurück. Nach
seinem Lied „Diem et noctem“ begann die Erzählerin Fr. Monika Boguslawski
mit dem Märchen vom Froschkönig aus der Reihe der Grimmschen Märchen. Nur
auf den ersten Blick sei dies eine Kindergeschichte, auf den zweiten und
dritten genauso eine Beziehungs- bzw. Erlösungsgeschichte. Es folgte ein
chinesisches Märchen, das P. Andreas sich zum Abschied gewünscht hatte. Bald
wurde auch klar, was den passionierten Musiker an dieser Geschichte
faszinierte: Es war hier ein Spielmann, der sowohl den Kaufmann, den Krieger
wie den geschickten Staatsmann um die Gunst der Kaiserstochter ausstach. Das
Märchen um die blaue Rose der Thronfolgerin ließ manche Besucher schmunzeln
bei der Erkenntnis, dass Liebe manchmal sogar farbenblind macht.
Die
weise Erzählung über den König von Kaukant und seine zerbrochene wertvolle
Vase setzte den Reigen fort. Der Töpfer Usman, der durch sein Geschick das
Leben seiner Kollegen rettete, verband sich hier mit einer tiefen
Bescheidenheit des Lebens und der Zufriedenheit in der Arbeit. So konnte er
vollkommen uneitel sagen, dass kein Geheimnis in seiner Kunst bestände
außer, dass er, seit er ein Kind war, seine Arbeit geliebt habe. Seine
Prophezeiung tat den Besuchern noch heute gut: „Solange Du Deine Arbeit
liebst, weiß ich, dass alles Dir gelingen wird.“ Nach der Geschichte des
weisen afghanischen Königs, dem es gelang, seinen Mitbürgen aufs Maul zu
schauen, schloss der Abend mit dem türkischen Märchen vom Töpfchen, das
seine arme Besitzerin mit allem Notwendigen versorgte: vom Essen über den
Schmuck bis hin zu ihrem Märchenprinzen.
Am Ende des Abends hatte Fr.
Monika Boguslawski ihre anfängliche Ankündigung, sie wolle der Phantasie
ihrer Zuhörer Flügel verleihen, mehr als eingelöst. Im Anschluss bot sich
dann noch die Gelegenheit, bei einer Tasse Tee den Abend ausklingen zu
lassen. Nicht wenige der Besucher nutzten jedoch auch die Gelegenheit, die
frisch renovierte Klosterkirche zu besichtigen und den Tag dort mit einigen
Minuten in Stille zu beenden.
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