Bruder Jörg
„Oh, sie sind Ordensmann, also Pater oder Mönch?“ – „Nein, Bruder.“ – „Was ist denn das?“, oder: „Ach so, nur Bruder.“ So oder ähnlich hat sich schon öfters ein Gespräch entwickelt, wenn ich mich irgendwo vorgestellt habe.
Nun möchte ich das auch für Sie gerne tun. Sicher kennen manche von Ihnen aus der Vergangenheit die Männer an den Pforten und in den Sakristeien unserer Klöster, in den Gärten und verschiedenen Berufen des alltäglichen Lebens, die für ein Kloster wichtig sind und waren. Heute sind diese Männer seltener geworden. Und trotzdem gibt es sie immer noch. Auch heute im Jahr 2010, ich bin einer davon.
Mein Name ist Jörg Recktenwald, in meiner Gemeinschaft der Provinz St. Clemens kennt man mich als Bruder Jörg. Geboren bin ich im Südwesten Deutschlands nahe der französischen Grenze. Ich bin 44 Jahre alt und lebe seit 25 Jahren bei den Redemptoristen. Ich könnte nun ein Vortrag halten über das Thema Berufung, aber das bringt uns ja nicht näher. Auch nicht die Frage „Warum wird jemand Ordensbruder?“. Ich erzähle Ihnen einfach wie es bei mir war:
Von Hause aus bin ich Bäcker mit abgeschlossener Gesellenprüfung. Dieser Beruf macht mir auch heute noch viel Freude und ist mir sehr nützlich. In meiner Jugend hat mich immer die Frage beschäftigt: „Ist das denn alles im Leben: Beruf, Familie und Freunde? Oder gibt es noch mehr im Leben?“ Durch eine Gemeindemission der Redemptoristen lernte ich das Mehr kennen. Mitbrüder sprachen mich an, sie doch mal zu besuchen und so lernte ich einige Klöster kennen. Vor allem aber lernte ich eine ganz neue Form von geistlichem Beruf kennen: Brüder, die in einem erlernten Beruf viele Dienste taten und Aufgaben in unsern Häusern wahrnahmen, die zum Gelingen des alltäglichen Lebens im Kloster genauso wichtig sind und waren wie auf der Kanzel zu stehen. Die Frage nach dem Mehr in meinem Leben bekam so Gestalt und Form. Ich wollte mich mit meiner Hände Kraft und meinen Fähigkeiten in den Dienst nehmen lassen. Das bedeutet für mich, nicht um des Geldes wegen, sondern aus dem Glauben heraus und einer Freude an meinem Glauben.
So trat ich 1985 als Postulant bei den Redemptoristen ein. 1986 folgte das Noviziat und 1987 meine erste Profess. Nach dieser kam die Zeit der praktischen Ausbildung: so erlernte ich den Beruf des Kochs in einer 1 ½jährigen Ausbildung in einer Großküche in einem Altenheim in Hennef an der Sieg und ½ Jahr in einem der ersten Lokale in Bochum. Danach bekam ich die Möglichkeit, mich auch theologisch weiterzubilden. Hierzu war ich ein Jahr auf einer Schule für Ordensfrauen und -männer. Danach lernte ich ein weiteres halbes Jahr die Verwaltung unserer Häuser kennen. Eine Aufgabe, die ich schon von Anfang an mit großer Freude und bis zur Gegenwart gerne ausübe, ist der Dienst des Sakristans in unseren Kirchen. So bin ich seit 1991 in mehren Klöstern tätig gewesen. Mal lag die Sorge mehr im verwaltungstechnischen Bereich als Ökonom, dann aber auch als Sakristan, Pförtner oder Koch.
Ich durfte immer das, was ich mit meinen Händen kann, in meine Gemeinschaft einbringen. Darüber hinaus ist mir das Motto unserer Gemeinschaft –das Evangelium von der Erlösung zu den Menschen zu tragen– besonders wichtig. In der Begegnung an unseren Pforten, in Kursen und Exerzitien im Alltag, die ich mit einem Mitbruder vorbereitete. Aber der wohl wichtigste Punkt ist das gemeinsame Beten und ins Gespräch kommen über den Glauben und das, was mein Leben prägt. So durfte ich in den Jahren Bruder werden: meinen Mitbrüdern, aber auch Bruder vieler Menschen, die mir begegnet sind.
Zum Schluss möchte ich einen Satz stellen, den ich so bei meiner ersten Profess gesagt habe und den ich heute immer noch so sagen kann: „Ich bin froh, in einer Gemeinschaft zu leben, wo ich –der Bäcker aus dem Saarland–, mit allem was er kann und was er nicht kann, mich von Gott in einen Dienst stellen lasse: Im Gebet, in der Arbeit und im Dasein für Andere, und das als Redemptoristen-Bruder.“
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