Jugend-Kloster nimmt Abschied von P. Erwin Moritz
Am 14. Juli 2011 verstarb im gesegneten Alter von 100 Jahren P. Erwin Moritz im Eduard Michelis Heim in Gladbeck. Zum Requiem und zur anschließenden Beerdigung kamen zahlreiche Trauergäste um sich von P. Erwin Moritz zu verabschieden, der jahrzehntelang im Jugend-Kloster lebte und als Religionslehrer in Gladbeck wirkte.
Die ausführliche Vita:
Pater Erwin Moritz wurde am 6. Dezember 1910 in Berlin geboren und am 22. Dezember in der Ss. Corpus Christi Kirche zu Berlin Prenzlauer Berg getauft. Von seinen sieben Geschwistern wurde sein Bruder Josef ebenfalls Redemptorist, sein Bruder Karl war Pfarrer in Berlin Kleinmachnow und seine Schwester Waltraud (Sr. Gerda) trat in Berlin in den Orden der „Arme Schulschwestern“ ein.
Als Schüler des Juvenisten-Internats der Redemptoristen in Bonn bestand P. Moritz 1930 dort das Abitur und trat anschließend ins Noviziat der Redemptoristen in Luxemburg ein. Am 6. April 1931 legte er seine erste Profess ab. Darauf folgten das Theologiestudium an der ordenseigenen Hochschule in Hennef/Geistingen, 1934 die Profess auf Lebenszeit und am 16. April 1936 die Priesterweihe.
Um sich auf die Predigttätigkeit vorzubereiten, wurde P. Erwin Moritz von Geistingen zunächst ins Kloster Bochum versetzt, wo er bis zum Kriegsausbruch 1939 verblieb. Von Bochum führte ihn sein Weg über einen kurzen Aufenthalt in Trier nach Heiligenstadt. In dieser Zeit betreute er 1939 und 1940 einen saarländischen Bevölkerungsteil in Sollstedt seelsorglich und war bis zum Frühjahr 1941 Pfarrverweser in Deuna, da der dortige Pfarrer ins Konzentrationslager Dachau verschleppt worden war. Vom März 1941 bis November 1946 wirkte P. Moritz als Pfarrvikar in Thalwenden, einer Filiale von Birkenfelde. Den Abschluss seiner Tätigkeit als Diaspora-Seelsorger bildete die Zeit seines Wirkens als Pfarr-Rektor in Jena bis Ende des Jahres 1949.
Von Heiligenstadt nach Aachen versetzt (November 1949) eröffnete sich für P. Erwin Moritz ein neues Feld der Seelsorge. Er wurde eingesetzt als Aushilfskaplan in St. Alfons und St. Paulus sowie in der Pfarrei Herz Jesu. Gleichzeitig erprobte er sich als Religionslehrer, einer neuen Tätigkeit, die er künftig den größten Teil seines langen hundertjährigen Lebens ausüben sollte. Denn mit Schulbeginn Ostern 1953 trat P. Erwin Moritz seine neue Stelle als Religionslehrer an der Berufsschule in Gladbeck an. Dem Kloster Kirchhellen zugehörig verblieb er im Schuldienst bis zu seiner Pensionierung. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler erinnern sich an den von starkem Gerechtigkeitsempfinden geprägten Pater und Lehrer, der sich einerseits für sie einsetzte, andererseits aber auch an sie deutlich menschliche, christliche und schulische Forderungen stellte.
Das Leben von P. Moritz, besonders die ersten Priesterjahre, waren sehr geprägt vom Kampf. In den Kriegsjahren und in der Nachkriegszeit, also die Zeit seiner Tätigkeit als Diaspora-Seelsorger, galt es, sich gegen die Machenschaften des Nationalsozialismus und des DDR-Regimes durchzusetzen. Kämpfen für das, was er für richtig hielt, prägte sich seinem Wesen ein. So manchen Strauß hatten Kollegen, Mitbrüder und auch Obere mit ihm auszufechten. Andererseits war er beseelt von einer liebevollen Aufmerksamkeit, Achtung und Wertschätzung für alles Wachsende, Blühende und Mühevolle. Mit zunehmendem Alter setzte sich diese Eigenschaft bei ihm immer mehr durch, sodass oft ganz unerwartet ein liebenswürdiger Humor von ihm ausging. Schmerzen und seine nachlassende Orientierung im Alter ertrug er ohne Klagen. Als er intensiver pflegebedürftig wurde, fand er im Seniorenheim „Eduard Michelis Haus“ in Gladbeck Aufnahme. Fiel ihm die Eingewöhnung zunächst auch schwer, so fühlte er sich durch die sorgsame und freundliche Pflege sehr bald zuhause und geborgen.
P. Erwin Moritz fiel das Sterben nicht schwer. Aus seiner tief gläubigen Haltung heraus konnte er am 14. Juli 2011 sein Leben sehr ruhig in die Hände Gottes legen. Dort möge er nach allem Kampf auf dieser Erde ewige Ruhe finden und die selige Geborgenheit des Himmels.
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