Weltjugendtag 2011 – Vamos a Espana! - Ein Erfahrungsbericht
Am 10. August machten sich 45 abenteuerlustige Pilgerinnen und Pilger vom Jugend-Kloster auf den Weg zum Weltjugendtag nach Spanien. Dort verbrachten sie die ersten Tage im Bistum Pamplona, um schließlich zum eigentlichen Weltjugendtag nach Madrid weiterzureisen. Doch die Motivation der Jugendlichen war stets die gleiche: das Land und seine Einwohner kennenzulernen, fremde Kulturen hautnah zu erleben und vor allem den gemeinsamen Glauben zu feiern.
Nach 22 Stunden Busfahrt war es endlich soweit: wir hatten das Bistum Pamplona erreicht, wo wir wie alle Teilnehmer des Bistum Münsters die Tage der Begegnung verbrachten. Da wir früher angekommen waren als erwartet, nutzten wir den Tag, um Pamplona auf eigene Faust zu erkunden. Mit Pilgerhüten und Sonnencreme bewaffnet, besichtigten wir die Kathedrale und die Stierkampfarena und bekamen schon ein erstes Stück des Jakobswegs zu Gesicht. Am Abend brachte unser Bus uns schließlich nach Cascante, ein kleines Dorf südlich von Pamplona, wo wir von den Einwohnern sehr herzlich in Empfang genommen wurden. Diese Gastfreundschaft, die wir die nächsten Tage genießen durften, überwältigte uns regelrecht. Wir wurden sehr angenehm in Gastfamilien, einem Kloster und einer Schule untergebracht. Viel Zeit verbrachten wir aber nicht in unseren Unterkünften, da wir ein volles Programm hatten. Unsere Gastgeber zeigten uns sehr viel von ihrer Region Navarra. Wir besuchten die Stadt Tudela, in der im Mittelalter die jüdische, muslimische und christliche Religion friedlich miteinander lebten. Auch ein Biosphärenreservat befindet sich in dieser Gegend, die Bardenas Reales, eine Wüstenlandschaft, in der uns die Hitze wirklich fast erschlug. Besonders in Erinnerung werden uns die gemeinsamen Mahlzeiten mit unseren Gastgebern bleiben, die oft auch von typischer Musik der Region untermalt wurden. Obwohl nur zwei aus unserer Gruppe fließend Spanisch sprechen, konnten auch wir anderen uns mit Händen und Füßen so gut es ging verständigen. Schön waren auch die Gottesdienste, die wir in diesen Tagen in mehreren Sprachen feierten. Im Blickpunkt der Gottesdienste stand schon das Thema des diesjährigen Weltjugendtags „Verwurzelt in Jesus Christus und auf ihn gegründet, fest im Glauben“.
Einen Tag pilgerten wir mit allen 850 Teilnehmerinnen des Bistum Münsters und noch vielen anderen Jugendlichen aus aller Welt ein Stück auf dem Jakobsweg zur Burg Javier. In malerischer Kulisse feierten wir mit 3000 Menschen Gottesdienst, aßen Paella und jubelten beim Jugendfestival den Gruppen, die ihr Land vorstellten, zu.
Der Abschied am Montag in unserer Gastgemeinde fiel uns nicht leicht, da unsere Gastgeber uns sehr ans Herz gewachsen waren. Aber wir waren natürlich auch schon sehr gespannt auf die Erlebnisse und Begegnungen in Madrid.
Dort angekommen erwartete uns erstmal ein kleiner Schock: unsere Unterkunft war noch besetzt, so dass wir die erste Nacht unter freiem Himmel schliefen. Doch bei diesen Temperaturen erwies sich das als kein Problem und der eine oder andere von uns entdeckte auch eine Sternschnuppe am Himmel. Dass die Organisation nicht immer so einfach war, erlebten wir die nächsten Tage noch öfter; aber das gehört zu einem Weltjugendtag einfach dazu.
Unser Quartier in den nächsten Tagen entschädigte uns auf jeden Fall für die erste Nacht. Es lag in den Bergen in idyllischer Atmosphäre, wir hatten wirklich Glück gehabt.
Als wir in Madrid das erste Mal aus dem Bus stiegen, erschlug uns nicht nur die Hitze, sondern auch die vielen Menschen. Wir sahen überall Flaggen aus aller Welt, hörten die unterschiedlichsten Sprachen und kamen mit vielen Jugendlichen in Kontakt. Auf den Straßen Madrids wurde getanzt, gelacht und gesungen, wovon wir uns auch immer wieder anstecken ließen. Unsere Tage in Madrid waren meist gleich aufgebaut: ziemlich früh verließen wir unsere Unterkunft, die doch recht außerhalb lag und fuhren zu den Katechesen des Bistum Münsters. Diese Katechesen beschäftigten sich natürlich mit dem Motto des Weltjugendtags: Jugendliche sprachen über ihren Glauben und zum Beispiel der Münsteraner Bischof Felix Genn regte uns mit seiner Katechese zum Nachdenken an. Vor allem das gemeinsame Singen in den Katechesen bereitete uns viel Spaß. Zum Abschluss der Vormittage feierten wir gemeinsam Eucharistie.
An den Nachmittagen hatten wir Zeit, um Madrid auf eigene Faust zu erkunden und die Stadt kennenzulernen. An großen Plätzen wie der Plaza Mayor oder der Plaza del Sol trafen wir Menschen aus aller Welt. Manche von uns bildeten sich auch kulturell, indem sie das Prado, ein Kunstmuseum mit einer großen Ausstellung besichtigten. Und wenn wir einmal zu viel vom Trubel und der Hitze hatten, zogen wir uns die schönen Parks Madrids zurück, um eine Siesta zu halten. Abends waren in der ganzen Stadt Bühnen aufgebaut, wo Bands spielten und die Stimmung dazu war einfach unglaublich.
Besondere Highlights bildeten die Gottesdienste für alle Pilger des Weltjugendtags, die auf der Plaza de Cibeles stattfanden, wie der Eröffnungsgottesdienst oder die Ankunft des Papstes. Wir verfolgten die Gottesdienste auf großen Leinwänden, die in den benachbarten Straßen angebracht waren. Hier erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt: zusammen mit hunderttausenden von Menschen sangen und jubelten wir dem Papst zu.
Am Samstag schließlich machten wir uns auf dem Weg zum Flughafengelände Cuatro Vientos, wo wir gemeinsam mit zwei Millionen Pilgern die Abschlussmesse mit dem Papst feiern wollten. Doch kam alles anders: schon bei unserer Ankunft auf dem Gelände stellten wir fest, dass alles recht unorganisiert war. Unsere Plätze, die uns im Vorfeld zugeteilt worden waren, erwiesen sich als schon besetzt, so dass wir auf einen anderen Teil des Geländes ausweichen mussten. Wir hatten uns dort gerade für die Nacht unter freiem Himmel eingerichtet und verfolgten die Vigil, als ein Unwetter losbrach. In Folge dessen stürzte ein Strommast um. Die Bistumsleitung entschied, dass die Lage auf dem Gelände nicht mehr sicher war, weshalb wir aufbrachen und zu unseren Bussen zurückkehrten. Nachdem wir die Nacht in einem Park geschlafen hatten, fuhren wir am nächsten Morgen wieder nach Deutschland zurück.
Trotz des abrupten Endes war der Weltjugendtag eine einzigartige Erfahrung mit unvergesslichen Begegnungen. Die Freude und Gemeinschaft im Glauben, die wir erleben durften, wird uns in unserem Alltag bestimmt noch lange begleiten und stärken.
-Hier geht es zur Bildergalerie-
Hannah Rimbach |